Arbeits- und Diskussionsblog



„Jeder Mensch hat das Recht zwischen einer Vielfalt von gleichwertigen Lebens- und Beziehungsmodellen frei und eigenverantwortlich für sich wählen zu können.
Aus dieser Wahl dürfen weder ihm noch einem anderen Menschen gravierende psychische, soziale, gesellschaftliche, wirtschaftliche oder sonstige Vor- oder Nachteile entstehen."




Sich selbst zu lieben


Es liegen Welten zwischen der Liebe um Deiner selbst willen und der Anerkennung für Deine Leistungen. Verwechsle das nicht!

Geliebt wirst Du nur dort, wo Du eben nicht etwas haben oder tun oder bringen musst für diese Liebe. Da liegt Deine eigentliche Sehnsucht, und daraus nährt sich dieser verzerrende Hunger, der nicht gesättigt wurde als Du noch ganz klein warst und den Du heute viel zu oft stillen willst mit den falschen Dingen, weil Du nie lernen durftest, dass der Konsum von Drogen, Essen, Sex, Alkohol, unnützen Dingen und Ähnlichem diesen Hunger nicht sättigen, sondern nur die Leere in und die Entfremdung von Dir weiter vergrößern wird.

Was hilft? Liebe Dich so, wie Du bist. Mit all Deinen lichten und dunklen Seiten. Mit all Deinen Widersprüchen, Deinem Schmerz, Deinen Zweifeln, Deinem Wissen um Dich. Mit all dem, was Du kannst und bist. Mit all dem, was Du getan und nicht getan hast.

Höre nicht auf die, die Dir zusäuseln, dass sie Dich lieben, weil Du so wunderbar ihre Wünsche und Bedürfnisse befriedigst. Denen ging und geht es nur um sich und niemals um Dich.

Halt inne, trete einen Schritt zurück. Gib der Stille Raum und dann höre Dir endlich selbst zu. Wer spricht da? Wer weint und lacht da? Wer sehnt, wer zweifelt, wer genießt, wer tanzt und singt da? Wer verbietet, wer erlaubt? Wer lebt da noch? Trotz allem oder gerade deswegen.

So viel Leid, Schmerz, Verletzung und Enttäuschungen. Heilen, im Sinne von Selbstfürsorge und neumutiger Lebensfreude, kannst nur Du Dich selbst. Manchmal kann ich helfen, manchmal nicht. Begleiten, für eine Weile, immer und gerne.

Alles nur Blablablubb? Hehre Buchstabenreihungen und wirres Gekröse einer alternden Frau Müller? Vielleicht. Meine Erfahrungen lehrten mich jedoch, dass kein Weg daran vorbei führt, zu lernen, sich selbst zu lieben. Ohne diesen Schritt bleibt alles Weitere nur Makulatur und Lebenswunden eitern lustig weiter vor sich hin und gebären immer wieder neuen Schmerz.



Anpassung

„Es gibt eine kreisförmige Wechselbeziehung zwischen Machen und Erkennen. Wenn man nicht macht was man als notwendig, wenn auch mit persönlichen Unannehmlichkeiten behaftet, erkannt hat, dann kann man irgendwann auch nicht mehr erkennen, was zu machen ist. Wer Anpassungszwängen taktisch nachgibt, wohl wissend, dass er ihnen mit vertretbarem Risiko widerstehen könnte und auch sollte, wird nach und nach die Unzumutbarkeit von Anpassungsforderungen gar nicht mehr wahrnehmen, d.h., die eigene Gefügigkeit auch nicht mehr als Fluchtreaktion durchschauen. Alles erscheint normal: die Verhältnisse, denen er sich ergibt, und der Verzicht auf Gegenwehr, den er eben gar nicht mehr erlebt.“ (H.-E. Richter)

Einfacher: Du passt dich an. Aus Bequemlichkeit, Taktik, Ermüdung, kurzfristigen Vorteilen, um zu Überleben. Und irgendwann merkst du gar nicht mehr, dass daraus ein sich verselbstständigtes Muster, eine Gewohnheit geworden ist. Passt dich auch an Dinge und Verhältnisse an, die du allereigentlich innerlich ablehnst, weil sie deine Grenzen weit, weit überschreiten. Auf die Idee, dass du eine Anpassung auch verweigern könntest, kommst du gar nicht mehr, weil die Gewohnheit so eingefahren ist. Du entscheidest nichts mehr, weil du nicht mehr bemerkst, dass du da ja real im Jetzt und im konkreten Fall wirklich entscheiden könntest.

Da es aber den Teil in dir gibt, ganz tief drinnen, der weiß, der leidet, der rebelliert, entwickelst du, zur inneren kurzfristigen Entlastung, Symptome. Auf der körperlichen oder der seelischen oder auf beiden Seiten. Beispiele: Kopf, Magen, Darm, Herz, Lunge, Haut, Rücken; irreale Ängste, Panik, Schlafprobleme, Traurigkeit, Aggression, Erschöpfung, Antriebslosigkeit, Abwehr, und vieles mehr. Du wirst krank. Und die jeweilige Krankheit schiebt sich derart in den Vordergrund, dass die eigentlichen Ursachen dafür, nicht mehr auf den ersten Blick erkennbar sind.

Was tun? Die Krankheit derart behandeln, dass es dir Luft verschafft, sich mit den Ursachen beschäftigen zu können. Unter Schmerzen denkt und entscheidet es sich nicht so gut. Dann Innehalten und sich Zeit und Aufmerksamkeit zugestehen, nach den Ursachen zu forschen.

Hört sich banal an. Ist es aber nicht. Und ist auch, trotz dem Erstarken des psychosomatischen Ansatzes in der Medizin, auch noch nicht immer selbstverständlich.

Hol dir Hilfe und Wegbegleitung. Du musst das nicht alleine stemmen. 

Das innere Drama verlassen

Wie hungrig muss die kindliche Seele damals geblieben sein,
wenn der erwachsene Mensch sich schon mit ein paar spärlich
verteilten Häppchen einer doch selbstverständlichen,
mitmenschlichen Aufmerksamkeit anscheinend gesättigt fühlt.

Er, der erwachsene Mensch, verwechselt das Selbstverständliche
dann gerne mit der romantisch verklärten Liebe.

Das Erwachen ist schmerzvoll.

Die innere Leere frisst sich heimtückisch durchs Gemüt.
Der Hunger durchbricht schreiend jedwede Verlogenheit.

Wenn wir uns in das Szenario des „Inneren Kindes“ begeben, dann gibt es nur dich und das Kind.
Die Sättigung des hungrigen Kindes in dir, kann nicht von außen erfolgen. Dieser Zug ist abgefahren.

Nur du! kannst dein inneres Kind nährend in einen behütenden Schlaf wiegen. Alles andere ist Illusion.

Diese Erkenntnis tut weh. Dir und dem Kind.

Heilung? Nein. Versöhnung? Ja.

Die Narben bleiben. Die Sehnsucht wird sich niemals gänzlich auflösen.

Doch du, als erwachsener Mensch, kannst lernen aus dem aufgezwungenen Drama auszusteigen, es wohlwollend von außen zu betrachten und dann dein Leben in eigener Regie weiter selbst zu gestalten.